
Interview zum Jahreswechsel
In einem ausführlichen Interview in der Süddeutschen Zeitung kurz vor Jahresende (29.12.2011) hat Conti-Chef Elmar Degenhart u.a. zur Konjunkturlage, zur Entwicklung der Automärkte und zu den Perspektiven von Conti Stellung genommen. Dabei hat er sich auch zur Zusammenarbeit mit Schaeffler geäußert. Im Folgenden eine Zusammenfassung seiner Aussagen:
2012 kein Rückgang der weltweiten Autoproduktion
„Wir werden Rückgänge in Europa haben wegen der Schuldenkrise. Aber es bestehen Chancen auf Wachstum in Amerika, und Asien wird weiter zulegen. Beides dürfte die Schwäche in Europa mehr als ausgleichen … Die weltweite Produktion von 75 Millionen Autos – bis sechs Tonnen – wie in diesem Jahr sollte erneut erreicht werden. Es ist möglich, dass es 2012 sogar drei bis vier Prozent mehr werden, also 77 bis 78 Millionen Pkw. Für die deutsche Automobilindustrie kann 2012 ein gutes Jahr werden.“
Conti wächst weiter
„Unser viertes Quartal ist sehr gut gelaufen, der Umsatz sollte knapp über dem Niveau des dritten Quartals liegen ... Die Kundennachfrage zeigt, dass wir diesen guten Kurs bis März fortsetzen. Mit Elektronik und mit Reifen wachsen wir sogar schneller als die Auto-Industrie.“
Elektromobilität und Kooperationen mit Autoherstellern
„Akzeptanz und Erwartungen sind nach wie vor hoch – aber nur, wenn die E-Autos nicht zu teuer sind. Wir wissen aus Studien, dass Autofahrer ja nach Größe des Wagens nur 500 bis 1500 Euro mehr zahlen möchten …
2020 könnten weltweit 100 Millionen neue Wagen verkauft werden, davon drei Millionen mit Elektromotor und acht Millionen mit Hybridsystemen. Von den neuen E-Autos fährt aber nicht jedes dritte in Deutschland … (das ist das Planziel der Bundesregierung, d.Red.)
Aber mit Kunden, also Autokonzernen, sind diese langfristigen Kooperationen schwer vorstellbar. Wenn diese Kooperationen erfolgreich sind, führt das zu Konflikten. Ein Zulieferer will möglichst viel Geld verdienen, und ein Kunde will seine Teile möglichst günstig beziehen. Das kann auf Dauer nicht gutgehen.“
Im Januar 2012 erstmals eine Frau im Conti-Vorstand
„Ich freue mich auf Elke Strathmann. Eine Frau bringt andere Blickwinkel in die Diskussionen – nicht nur im Personalbereich, den sie verantworten wird ... Wir setzen uns Ziele. Bisher haben wir auf den obersten drei Ebenen acht Prozent Frauen. Wir möchten diesen Anteil in wenigen Jahren verdoppeln. Das hört sich nicht viel an. Aber es bedeutet, dass wir ab sofort fast jede dritte Vakanz mit einer Frau besetzen müssen.“
Conti-Börsenkurs
„Der Kurs der Conti-Aktie zeigt weder die Leistung noch unsere Erwartungen. Wir sind mit sieben Milliarden Euro Nettoschulden kein hoch verschuldetes Unternehmen mehr, aber wir liegen über dem Schuldenschnitt der Industrie.“
Wo der Arbeitsplatzaufbau auf 200.000 stattfindet
„Die meisten werden in Schwellenländern aufgebaut. Wir wollen so weit wie möglich in lokalen Märkten produzieren. Sonst werden die Prozesse zu langsam. Außerdem haben chinesische Autofahrer andere Bedürfnisse als amerikanische – und die kennt man vor Ort besser … Die 50 000 deutschen Arbeitsplätze werden durch den weltweiten Aufbau gesichert. Der globale Einkauf und die Basisentwicklung bleiben hier, wir werden auch weiter in Deutschland produzieren.“
Conti und Schaeffler
„Die Fusion bleibt grundsätzlich eine Option. Im Moment wird darüber aber nicht diskutiert … Wir haben gut 30 gemeinsame Aktivitäten, es sind dabei mehrere hundert Beschäftigte eingebunden. Konkrete Projekte sind unser Einkaufsverbund und der Vertrieb eines Turboladers. Damit wollen wir in den nächsten Jahren eine halbe Milliarde Euro umsetzen.“
Unternehmenskulturen von Conti und Schaeffler
„Für beide Firmen ist eine Vertrauenskultur wichtig, beide verfügen über technologische Kompetenzen und Siegermentalität. Ein Familienunternehmen wie Schaeffler wird aber von Natur aus zentraler geführt. Ein weiterer Unterschied ist die personelle Kontinuität: Bei einem Unternehmen wie Schaeffler bleibt die Familie, das bietet Stabilität. Vorstände von börsennotierten Konzernen dagegen wechseln schon mal.“

