18.01.2010

Von: WM

Schaeffler-Finanzchef: Priorität Schuldenabbau - nächstes Ziel Kapitalmarktfähigkeit

Rosenfeld: Dann Zusammenschluss mit Conti "orchestrieren"

In einem Interview mit der Börsen-Zeitung hat der Schaeffler-Finanzchef Klaus Rosenfeld erklärt, jetzt gehe es darum, beide Unternehmen – Conti  und Schaeffler - so schnell und so nachhaltig wie möglich zu entschulden. Ziel müsse es sein, so schnell wie möglich Verschuldungsgrade zu erreichen, die ein Investment-Grade-Rating ermöglichten. Geprüft werde der Schuldenabbau aus dem operativen Cash-flow, durch den Verkauf von nicht betriebsnotwendigem Vermögen und durch frisches Geld von außen.

Außerdem müsse man dann den Zusammenschluss mit Conti "richtig orchestrieren".

Beim Rating geht es um die Bewertung der Schuldnerqualität nach bankeigenen Kriterien oder nach Klassifizierungen von international tätigen Ratingagenturen. Je besser die Bewertung, also die Schuldnerqualität, desto besser die Konditionen, desto niedriger die Kreditzinsen.

In der Finanzbranche werden die Ratings nach den beiden großen Gruppen „Investment Grade“ und spekulativ klassifiziert. Institutionelle Investoren wie Pensionskassen oder Versicherungen dürfen oft nur Anleihen von Schuldnern mit einer bestimmten Mindestbewertung kaufen. Hierbei gelten die Ratings AAA bis BBB (inklusive Baa3 bzw. BBB-) als „Investment Grade“. Anleihen mit einem Rating von BB oder schlechter werden „Junk Bonds“ oder „Müllanleihen“ genannt.

Investoren sehen industrielle Logik des Zusammenschlusses

Für Rosenfeld zeigt die Conti-Kapitalerhöhung, „dass die Zusammenarbeit zwischen Continental und der Schaeffler-Gruppe auch auf der Finanzseite immer besser klappt". Der Großteil der Investoren teile die Ansicht, dass ein Zusammenschluss auf einer überzeugenden industriellen Logik beruht.

"Wenn man das weiterdenkt, war die Kapitalerhöhung bei Continental eine erste Möglichkeit, bei einer späteren Kombination dabei zu sein."

Refinanzierung der Schaeffler Gruppe

Die im August 2009 vereinbarten Kredite haben laut Rosenfeld eine Laufzeit von viereinhalb Jahren bzw. sechs Jahren. "Wir haben ausreichend finanzielle Flexibilität und Handlungsspielraum", betont Rosenfeld.

Teilweise sind die Kredite sind als nachrangige Darlehen strukturiert mit einem festen (hohen) Zinssatz und einen gewinnabhängigen Komponente. Auch Gesellschafterdarlehen zählen als nachrangige Darlehen. Bilanziell gelten sie als Quasi-Eigenkapital, das zwischen Eigen- und Fremdkapital angesiedelt ist. Im Verlustfall – Liquidation oder Insolvenz – sind nachrangigige Darlehen nachgeordnet gegenüber dem anderen Fremdkapital, das zuerst bedient werden muss.

Durch die Strukturierung als nachrangige Darlehen konnten laut Rosenfeld die Gläubigerbanken ihre Kredite halten und der Familie Schaeffler die strategische Führung und ihren Anteilsbesitz belassen.

Operatives Geschäft ist entscheidend

Die fünf Gläubigerbanken von Schaeffler sind laut Rosenfeld überzeugt, "dass in der Verbindung von Schaeffler und Continental erhebliches Wertpotenzial" steckt. Das komme aus verschiedenen Quellen, dem Wiedererstarken des operativen Geschäfts, dem Markt, aus der Marktposition, möglichen Synergien und auch aus verbesserten Bewertungsrelationen.

Für Rosenfeld hängt der Unternehmenswert der Schaeffler-Gruppe in erster Linie von der Profitabilität des operativen Geschäfts ab. Schaeffler habe 2009 trotz Krise Monat für Monat ein positives operatives Ergebnis erwirtschaftet.

Es komme entscheidend darauf an, dass Schaeffler und Conti operativ weiter Fortschritte machten und sich auf ihre Stärken konzentrierten

Rosenfeld lobt Schaeffler-Berichtswesen

"Unser erklärtes Ziel ist es, eine kapitalmarktfähige Struktur zu schaffen", sagte Rosenfeld. Dafür will Rosenfeld künftig mehr Geschäftszahlen des Familienunternehmens Schaeffler veröffentlichen. Es gebe bereits Zwischenberichte für die Banken. "Und irgendwann gehen wir dann auch bestimmt nach außen."

Rosenfeld lobte das interne Berichtswesen der Schaeffler-Gruppe, die als Privatunternehmen weniger publizitätspflichtig ist als eine Börsengesellschaft. "Ich wäre froh gewesen, wenn ich derartige Informationen in meiner früheren Aufgabe gehabt hätte." Früher war Rosenfeld Finanzchef der Dresdner Bank.


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