
Die Conti-Reifensparte hat den früheren Beschäftigten des im Januar geschlossenen Werkes im nordfranzösischen Clairoix angeboten, in Tunesien weiterzuarbeiten - für 137 Euro monatlich. Ein Sprecher begründete den Schritt mit dem französischen Arbeitsrecht, Gewerkschaftsvertreter nannten ihn zynisch.
Ein Vertreter des französischen Gewerkschaftsbundes Confédération générale du travail (CGT) bezeichnete das wenig willkommene Angebot als "Provokation" und konstatierte: "Nicht einmal die Tunesier wollen diese Arbeitsplätze."
Continental erklärte seinerseits, man sei verpflichtet, jeden verfügbaren Platz innerhalb des Konzerns anzubieten, "wenn die berufliche Qualifikation vorhanden ist und es keine Sprachbarrieren gibt." Dies entspricht in der Tat der geltenenden Rechtssprechung, nach der Unternehmen schon zu großzügigen Entschädigungen verurteilt worden sind, weil sie keine Weiterbeschäftigung auch in eher unrealistischen Verlagerungszielen Osteuropas oder Asiens angeboten hatten.
Conti klagt über das daraus entstehenden Dilemma: Biete man die Stellen nicht an, drohten rechtliche Konsequenzen, biete man sie an, folge unweigerlich eine Welle der Empörung. Das Mitleid mit dem Unternehmen wird sich vermutlich in Grenzen halten - in Frankreich hat sein Image mit einer ganzen Reihe konfliktträchtiger Werksschließungen erheblich gelitten.


