24.07.2009

Von: HR

Heißer Konflikt bei SKF

Nicht nur bei Conti, sondern auch bei SKF ziehen französische Belegschaften und Gewerkschaften die Samthandschuhe aus, wenn es um Standorte und Arbeitsplätze geht.

Massendemonstration für die Arbeitsplätze

"Keine Schafe mehr": Franck (rechts)

Feuer im Betrieb

Beschäftigte des schwedischen Kugellagerherstellers stehen seit einigen Wochen in einer Auseinandersetzung mit dem Unternehmen, das ihr Werk mit 380 Beschäftigten in Fontenay-le-Comte nahe Nantes im Oktober schließen will. Nicht nur die Gemüter haben sich in den vergangenen Tages zunehmend erhitzt: Fünf Maschinen gingen vor dem Firmengelände in Flammen auf, ein neuer Eskalationspunkt in den Sozialkonflikten, die seit einigen Monaten ganz Frankreich erfassen; als nächstes kämen auch neue Maschinen an die Reihe, erklärten Beschäftigte.

Bereit zur Radikalisierung

"Wir waren bisher sehr nett, aber jetzt haben wir es satt, die Schafe zu spielen", zitiert die nationale Tageszeitung "Le Monde" den SKF-Mitarbeiter Franck. Am Donnerstag versammelten die im Betrieb vertretenen Gewerkschaften die Beschäftigten, um ihr weiteres Vorgehen zu diskutieren. Die Geschäftsführung mauert; Franck steht für viele seiner Kollegen, wenn er sich daher zu einer weiteren Radikalisierung bereit zeigt. Seit dem letzten Stellenabbau im Jahr 2006 hat sich die Wirtschaftslage verschlechtert, und schon damals taten sich die Entlassenen schwer, neue Arbeit zu finden. Besonders verärgert die Beschäftigten, dass SKF "die Mittel hat, damit alles glatt läuft", betont einer: Offiziell verbuchte man 2008 Rekordgewinne und erzielte auch im ersten Quartal 2009 noch 30 Millionen Euro.

Wieviel ist ein Arbeitsplatz wert?

Der Gewerkschaftsverbund aus CGT, CFDT und CGC hatte sich anfangs mit den Betriebsräten gegen die Verlagerung gestemmt, die hinter der Schließung steckt. Mittlerweile findet man sich jedoch mit der wohl unabwendbaren Maßnahme statt und streitet statt dessen um die Abfindungen - orientiert an Continental-Beschäftigten, die 50.000 Euro erhielten. Trotz Streiks und Blockaden, unter anderem des SKF-Sitzes Saint-Cyr-sur-Loire seit vergangenem Dienstag, beharrt das Unternehmen seinerseits auf einer Summe von 30.000 Euro pro Kopf, plus einer Steigerung je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit.

Die jüngste Verhandlungsrunde am vergangenen Mittwoch blieb ergebnislos. Die Geschäftsführung spielt anscheinend auf Zeit, zumal der Betrieb als Zugeständnis der Belegschaft trotz der Kampmaßnahmen mit 40 Prozent der Kapazitäten weiterläuft. Franck jedenfalls fragt sich mittlerweile, ob die Manager nicht insgeheim sogar wollen, dass "wir das Werk hochgehen lassen".


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