02.09.2010

Von: md/WM

Streik in Conti-Reifenfabrik Erco Ecuador

Unternehmen will Werk räumen lassen

In der Conti-Reifenfabrik Erco in Cuenca in Ekuador in Südamerika streiken die Arbeiter gegen die von Conti geforderte Verlängerung der Arbeitszeit. Conti hat 2009/10 die Mehrheit an Erco übernommen.

Die Forderungen des Conti-Erco-Managements: Die Beschäftigten sollen 30 Minuten länger arbeiten. Außerdem sollen sie auf 2 Feiertage verzichten, die im nationalen Tarifvertrag vereinbart sind und die die Arbeiter in Ekuador durch Streiks und Verfolgung erkämpft haben. Parallel dazu will das Management, dass die Maschinen in laufendem Betrieb der nächsten Schicht übergeben werden, so dass die vorherige Schicht keine Zeit hat zum Saubermachen.

Mail der Gewerkschaftskollegen von Conti Erco Ekuador

Uns hat eine Mail der Kollegen in Ekuador erreicht, die wir in Auszügen wiedergeben:

„Am 19. August haben wir eine juristische Schlappe erlitten  … Der Streik wurde nicht als rechtmäßig anerkannt. Mit dem Streik sollte Druck auf das Unternehmen ausgeübt werden.

Angesichts dessen haben die Unternehmensvertreter ihre bereits gemachten Angebote zurückgeschraubt und warten nur auf das Ende des Streiks am Donnerstag, 26. August …

Wir haben beschlossen, den Streik auf jeden Fall weiterzuführen, auch gegen die gesetzlichen Vorschriften. Andernfalls wird das Unternehmen die Gewerkschaft kaputt machen. Glücklicherweise sind 95% unserer Kollegen kampfbereit und entschlossen,  solange zu kämpfen, bis das Unternehmen den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern das gibt, was ihnen nach den Gerichtsurteilen zusteht ..

Wir wissen aus zuverlässigen Quellen, dass das Unternehmen Polizei- und Ordnungskräfte angefordert hat, um das Werk zu räumen. Das zwingt uns zur politischen Intervention gegenüber der Regierung, damit diese so etwas nicht zulässt …

Unsere Position dazu als Gewerkschaftsvertreter auf nationaler Ebene ist: Wir sind total dagegen, auf Errungenschaften und Rechte zu verzichten. Wir haben diesen Vorschlag abgelehnt und Änderungen vorgeschlagen, um zu einem Tarifabschluss zu gelangen …

Aber das Unternehmen hat diese nicht akzeptiert, was zu der geschilderten Situation geführt hat. Sie birgt das Risiko, dass das Unternehmen das Werk im Land schließt …

Das einzige, was uns bleibt, ist unsere Kampfentschlossenheit und die Überzeugung, dass – wenn wir zusammenstehen – es keine Wirtschaftsmacht geben kann, die uns in die Knie zwingt.

Auf bald und auf den Sieg gegen die transnationale Ausbeuterfirma.“

Conti in Lateinamerika als Gewerkschaftsfeind

Die anti-gewerkschaftliche Praxis von Conti Erco in Ekuador und der Bruch dergeltenden Tarifverträge hat Tradition. ITUC, der internationale Dachverband der Gewerkschaften, klagt auf seiner Homepage die Verletzung der Gewerkschaftsrechte durch Conti an. ITUC berichtet über einen Streik der Erco-Arbeiter 2009 für ihre Rechte. Im Verlauf des Streiks kündigte das Conti-Management alle betrieblichen Gewerkschaftsvertreter.

Am 1. Dezember entschied das Arbeitsministerium, dass der Streik gegen Conti Erco völlig legal war, dass die Kündigungen unzulässig waren und die vorenthaltenen Löhne nachgezahlt werden mussten.


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